Seit 50 Jahren trainieren Profis von Reinhausen Servicetechniker, Kunden, Service-Partner und Mitarbeitende, damit MR-Produkte über Jahrzehnte hinweg zuverlässig im Einsatz bleiben. Was mit einem Trainingscenter in Regensburg begann, ist jetzt international und digital wie nie.
Ein vergilbter Bierdeckel zeugt vom ersten Kunden-Training – damals, 1976 in Regensburg. An diesem Juli-Tag, so erzählt man sich, hat ein Mitarbeiter von Reinhausen wichtiges technisches Wissen und Kompetenzen weitergegeben. Ein Kunde schrieb daraufhin ein paar Zeilen des Dankes nieder. Dieser Beweis ist noch heute in einer kleinen Vitrine mit gläsernem Deckel im Regensburger Trainingscenter zu finden.
Der Name dieses Mitarbeiters: Manfred Böhm. Er war damals Servicetechniker und organisierte vor rund 50 Jahren in Eigeninitiative ein paar Widerstandsschnellschalter der Typen OILTAP® C, D und F aus der Produktion, damit er und seine Kollegen in Wartungsfragen fit bleiben und lernen konnten, im Feld die richtigen Entscheidungen zu treffen. Dafür nutzten sie die Pausen zwischen den Einsätzen bei den Kunden.
Auf dem Bierdeckel hat sich vor 50 Jahren ein Kunde für das erste Training bei Reinhausen bedankt. Der Beginn einer Erfolgsgeschichte.
Damals stand ihnen nur eine Ecke in der Montage zur Verfügung, um an den Schaltern zu schrauben. Bald interessierten sich auch Kunden dafür, technische Details und die Funktionsweise der Schalter zu erlernen. Und so ist die Idee entstanden, ein professionelles Trainingscenter einzurichten.
Einmal, um die eigenen Servicetechniker kontinuierlich zu schulen und um weltweit einen einheitlichen hohen Wartungs- und Servicestandard sicherzustellen. Zum anderen, um Kunden die Möglichkeit zu geben, ihr eigenes Servicepersonal fortzubilden, damit sie die komplexen Produkte und Lösungen besser verstehen und sicher einsetzen können.
Exponate auf rund 1.000 m2
Heute stehen am Produktionsstandort im Regensburger Ortsteil Haslbach auf nahezu 1.000 Quadratmetern mehr als 300 Exponate als Übungsobjekte für die praxisnahen Trainings beisammen. Neben sämtlichen Schaltertypen, größtenteils aus dem vergangenen Jahrhundert, gibt es auch Motorantriebe, elektronische Produkte und Trafos. Auch ein Filmstudio für Video-Lerninhalte sowie ein Webstudio für digitale Schulungen gehören inzwischen dazu.
Mehr als 300 Exponate stehen in Regensburg als Übungsobjekte für die praxisnahen Trainings auf zwei Etagen bereit.
Manfred Schafhauser kennt jeden Schalter. Hier steht er neben einem Laststufenschalter, der etwa so alt ist wie er selbst.
An großen Werkbänken und in verschiedenen Klassenräumen können gleichzeitig bis zu sechs Gruppen von Trainern vor Ort lernen. Es gibt ein breites Programm verschiedener Kurse für MR-Techniker, Service-Partner oder Kunden. Zu Beginn der mehrmonatigen Ausbildung für MR-Techniker steht ein zweiwöchiges Basistraining, es folgen Trainings für die einzelnen Produkte mit Abschlussprüfung und Zertifikat.
Alle sieben Trainer am Standort haben viele Jahre Berufserfahrung im Feld gesammelt. Manfred Schafhauser ist einer von ihnen. Seine Ausbildung zum Betriebselektriker machte er im Alter von 16 Jahren bei MR. Der heute 63-Jährige grinst, wenn er sich erinnert: „Damals sagte man mir, ich werde im Laufe meines Lebens bestimmt fünfmal meinen Beruf wechseln müssen. Ich weiß noch, dass ich nicht auf Anhieb begeistert von dieser Aussicht war, doch so kam es.“
„Nur, wenn ich selbst genau weiß, was ich tun muss, kann ich es anderen beibringen.“
Manfred Schafhauser, Trainer
Nach seiner Ausbildung entwickelte er sich zum Servicetechniker und war im Auftrag von Reinhausen 20 Jahre lang auf der ganzen Welt im Einsatz. Dadurch kennt Schafhauser so gut wie alle Situationen, in die ein MR-Servicetechniker kommen kann. 2007 entschied er sich, sein Wissen an andere Servicetechniker weiterzugeben. „Seitdem fahre ich nicht mehr zu den Kunden, sondern sie kommen zu mir“, sagt Schafhauser zufrieden.
Nun arbeitet er im siebenköpfigen Trainer-Team im Tagesgeschäft sowie an der Weiterentwicklung des Trainingscenters mit. Dazu gehört auch, sich selbst weiterzubilden und sich in neue Produkte hineinzufuchsen: „Nur, wenn ich selbst genau weiß, was ich tun muss, kann ich es anderen beibringen“, sagt Schafhauser.
Die Nachfrage ist enorm
Die Service-Mannschaft von Reinhausen wuchs in den letzten 50 Jahren weltweit von 22 auf rund 360 Mitarbeiter. Gleichzeitig sind vielfältige Produkte überall auf der Welt in Transformatoren verbaut. Das führt zu einer großen Nachfrage nach Aus- und Weiterbildungen der Fachkräfte. Im deutschen Trainingscenter ist der Andrang deswegen groß. Bis Ende dieses Jahres ist jedes Zeitfenster schon jetzt ausgebucht.
Die MR-Trainer denken sich immer wieder neue Aufgabenstellungen aus, um das Wissen zu vermitteln und abzufragen. Immer auf Augenhöhe und kollegial — das macht die besondere Stimmung im Trainingscenter aus.
Die Trainees kommen aus der ganzen Welt: Im Trainingscenter Regensburg hängt eine Weltkarte, in der die trainierten Techniker ihre Herkunftsländer markiert haben. Mittlerweile wird in Trainingszentren auf fünf Kontinenten nach MR-Standards geschult.
Das ist einer der Gründe, warum Reinhausen die Idee des Trainingscenters dezentralisierte und international ausrollte. Inzwischen kann das Wissen in fünf weiteren zertifizierten und modernen Trainingscentern überall auf der Welt weitergegeben werden. In China, Brasilien, den USA, Malaysia und auch Südafrika bildet Reinhausen jetzt Fachkräfte aus, die es in den jeweiligen Ländern nie weit zum Kunden haben. Auch die Digitalisierung der Lerninhalte und neue Tools tragen dazu bei, dass möglichst viele von den Trainings profitieren.
Digitales Trainingscenter
Genau darum kümmert sich Kerstin Faltermeier. Sie ist strategisch für digitale Trainingskonzepte verantwortlich und arbeitet an einem digitalen Trainingscenter. Dafür besucht sie häufig Fachmessen, Netzwerktreffen und andere Veranstaltungen, um sich über digitale Lösungen, neue Technologien und Strategien zu informieren.
„So zum Beispiel die Arbeit mit CAD-Modellen, um einen Schalter digital in seine Einzelteile zu zerlegen. Oder die schon frühen Versuche, mittels KI die Lernvideos nicht nur in verschiedene Sprachen zu übersetzen, sondern den Trainer die Sprachen wirklich sprechen zu lassen – absolut lippensynchron“, sagt Faltermeier.
Während einer der Teilnehmenden die VR-Brille trägt und Aufgaben löst, folgen die anderen seinem Blick auf dem Bildschirm des Tablets.
Der Trainee ist zwar in einer anderen Welt, aber in einer Situation, in die er als Servicetechniker häufiger kommt: Es muss sichergestellt sein, dass der Trafo wirklich ausgeschaltet ist und keine Spannung anliegt.
Wenn für die Trainingscenter von Reinhausen eine neue Lösung spannend sein könnte, recherchiert sie weiter, führt Tests durch und prüft, ob diese Lösung einen Mehrwert bietet. Seit 2026 ganz neu im Einsatz ist das Virtual-Reality-Training (VR).
Gerade wird das virtuelle Training von einer sechsköpfigen Gruppe genutzt. Sie macht das zweiwöchige Basistraining, in dem sie unter anderem Sicherheitsregeln lernt. VR ist Teil des Trainings, um die Regeln praktisch einzuüben. Während einer der Teilnehmenden die Brille trägt und Aufgaben löst, folgen die anderen seinem Blick auf dem Bildschirm des Tablets. „Im virtuellen Training können durch Bewegungen der Hände Aufgaben ausgeführt werden“, erklärt Kerstin Faltermeier, während sie die Lerngruppe bei technischen Fragen zum Programm unterstützt.
„Es gibt nichts, was unsere Trainer nicht gesehen haben und was sie nicht können.“
Kerstin Faltermeier, Developer Digital Training Concepts
Faltermeier hat diese Lerninhalte zusammen mit den Trainern erarbeitet und umgesetzt. „Gegenüber den physischen Modellen gibt es den klaren Vorteil, dass sich Fehler und Störungen immer wieder nach Belieben simulieren lassen. Und Anlagen, die wir nicht vor Ort haben, wie etwa ein Umspannwerk. Trotzdem ist es weiterhin wichtig, dass Modelle angefasst und real zerlegt werden können.“
Nähe und Vertrauen zählen
Durch die digitalen Trainingsformate ist das Lernen jederzeit und an jedem Ort möglich. So stehen in der Reinhausen-Trainingsplattform E‑Learnings zum Selbststudium zur Verfügung, mit KI generierte Fragen bereiten auf theoretische Prüfungen vor, und in Schulungsvideos sprechen die Trainer mit der Unterstützung von KI fließend jede erdenkliche Sprache. „Das macht enorm was aus“, sagt auch Schafhauser. „Bei komplexen Inhalten ist es ein Vorteil, sie in der jeweiligen Muttersprache zu übermitteln. Hier vor Ort haben wir immerhin noch unsere Hände und Füße, die uns bei Missverständnissen helfen können. Digital fehlt das.“
Im Filmstudio entstehen Trainingsinhalte, auf die die Lernenden jederzeit und von jedem Ort aus zugreifen können.
Hier geht es um das Betriebssystem ETOS®.
Neben den professionellen Schulungsvideos aus dem Studio oder der Werkstatt bietet das Team auch digitale Live-Schulungen an.Kerstin Faltermeier ist überzeugt, dass die Zukunft viele Möglichkeiten bereithält: „Wenn es im Metaverse digitale Zwillinge zu jedem Produkt gibt, wird es noch leichter sein, Distanzen zu überwinden und im Wissensaustausch zu bleiben.“
Dennoch wird in Zukunft auch die familiäre Nähe, für die das Trainingscenter von Reinhausen bekannt ist, weiterhin eine bedeutende Rolle spielen – davon sind Faltermeier und Schafhauser überzeugt. Bis heute gibt es zahlreiche Gästebücher, gefüllt mit Einträgen und Fotos von Training-Teilnehmenden aus aller Welt. Die Gäste lassen ihren Eintrag auf einer Seite des Buches als Dank da und um in Erinnerung zu bleiben. Denn hier werden während des mehrwöchigen Trainings nicht nur Arbeitsinhalte geteilt, sondern auch ein Stück Kultur und eine gute Zeit.
Training by Reinhausen
Reinhausen hat weltweit sechs Trainingscenter auf fünf verschiedenen Kontinenten: In Deutschland, China, Brasilien, den USA, Malaysia und Südafrika. Das fundierte, praxisorientierte Training ist speziell auf die Bedürfnisse der Zielgruppen zugeschnitten: Servicetechniker, Service-Partner, Kunden, Mitarbeitende.
Das Training umfasst verschiedene Trainingsprogramme über Transformatoren, Laststufenschalter, Sensorik, ETOS®, Spannungsregelung, Transformatorenzubehör und den technischen Service.
Nach einem zweiwöchigen Basistraining folgt das Training an den jeweiligen Produkten.
Die Zertifizierung der MR-Servicetechniker zum Premium Service Provider (PSP) ist international anerkannt und erfolgt nach einem umfangreichen Training mit einer abschließenden Theorie- und Praxisprüfung. Ebenso müssen die Servicetechniker Felderfahrungen und regelmäßige Wartungen an den Produkten nachweisen und das Zertifikat alle 24 Monate erneuern.
Nur zertifizierte PSP-Techniker dürfen bei den Kunden von Reinhausen Wartungen oder Einsätze durchführen.
In bestimmten Regionen führen zertifizierte Partner den Service nach MR-Standards für ausgewählte Produkte und Dienstleistungen aus. Die sogenannten Certified Service Partners (CSP) durchlaufen regelmäßige, intensive Schulungen im Trainingscenter und legen theoretische und praktische Prüfungen ab.