Ein Brückenschlag vom Gestern ins Morgen der Stromversorgung. Ein Gastbeitrag von Dr. Nicolas Maier-Scheubeck – seit 30 Jahren Geschäftsführer von Reinhausen.
Die Wurzeln der Reinhausen GmbH reichen bis in das Jahr 1868 zurück. Was einst als mechanische Reparaturwerkstätte begann, hat sich über eine Maschinenfabrik zum Weltmarktführer in technisch anspruchsvollen Nischen der elektrischen Energietechnik entwickelt. Heute werden unter der Marke MR innovative Produkte und Lösungen zur Sicherstellung von Lastfluss, Stromqualität und der Verfügbarkeit kritischer Netzbetriebsmittel für deren Hersteller, Inbetriebnehmer und Betreiber angeboten.
Seit 1929 widmet sich das Unternehmen der elektrischen Energietechnik. Dabei profitierte das damals als Maschinenfabrik Reinhausen Andreas Scheubeck firmierende Unternehmen von der engen Zusammenarbeit mit dem Erfinder Dr. Bernhard Jansen. Dieser hatte 1925 seine Dissertation „Über die Wirtschaftlichkeit von Kupplungsleitungen zwischen Großkraftversorgungsgebieten“ verfasst.
Innerhalb wenig mehr als zwei Jahren legte er mittels vier bahnbrechenden Patenten die technischen Grundlagen für die heutigen Widerstandsschnellschalter. Die störungsfreie Vermaschung von Stromnetzen trieb den Ingenieur und späteren Vorstandsvorsitzenden eines regionalen Energieversorgungsunternehmens lebenslang an. Bis zu seinem frühen Tod im Jahre 1958 erwarb er insgesamt 157 internationale Patente. Zugleich organisierte er deren Anwendung durch die Hersteller und Betreiber von Leistungstransformatoren.

Der Fortschritt braucht, um ins Rollen zu kommen, stets einen Vorangeher, aber auch die Tradition als Schleifpapier.
Der Fortschritt braucht, um ins Rollen zu kommen, stets einen Vorangeher, aber auch die Tradition als Schleifpapier. In Zeiten der Vermaschung von Stromnetzen verstand Dr. Jansen es, seine Erfindungen als technischen Standard zu etablieren – gegen die Bedenken einer konservativen Branche und konkurrierende Konzepte. Das in seinen Patenten beschriebene Grundprinzip zur stufenweisen Regelung von Transformatoren unter Last ist bis heute unerlässlich für den sicheren und wirtschaftlichen Betrieb der nach Spannungsebenen gestuften Stromversorgung. Zudem stellte er die Belieferung der Trafohersteller durch die heutige Reinhausen GmbH sicher.
Die aktuellen Herausforderungen der Energiewende werfen oftmals ähnliche Fragestellungen wie vor 100 Jahren auf. Nach dem weltweit forcierten Aufbau einer nichtfossilen und stärker dezentralen Energieerzeugung verlagert sich der Handlungsschwerpunkt hin zu Speicher- und Netztechnologien. Bis 2050 wird ein Wachstum des weltweiten Strombedarfs um 80 Prozent, eine Ausweitung der Übertragungs- und Verteilungsnetze um 120 Prozent und eine Steigerung des Jahresbedarfs an Transformatoren um 200 Prozent prognostiziert.
Neben die ungeplanten Leistungsanforderungen an die installierte Basis (Asset Management) treten der forcierte Ausbau der Infrastruktur (Qualität und Logistik) sowie die Bedienung gänzlich neuer Anwendungen (Batterieenergiespeicher, Data Center). Gefragt ist dabei die lösungsorientierte Kombination von Mechatronik und Leistungselektronik, Sensorik und Kommunikationstechnik sowie Analytik und Digitalisierung im Zusammenwirken von Beratung, Engineering, Herstellung, Inbetriebnahme und Service.

Wir bleiben stets der unabhängige und verlässliche Partner von Herstellern, Inbetriebnehmern und Betreibern kritischer Netzbetriebsmittel.
Genau in diesem umfassenden Sinne schlägt das Herz der Reinhausen GmbH weltweit an 60 Standorten in Form von 6.000 kompetenten Mitarbeitern. Getragen durch das Selbstverständnis als „The Power behind Power“ schreiben diese die seit bald 100 Jahren praktizierte Applikations- und Innovationsorientierung bei höchster Qualität und Logistikleistung konsequent in die Zukunft fort.
Längst steht das kreisrunde MR-Logo nicht mehr für das historische Firmenkürzel eines Herstellers von Stufenschaltern („Maschinenfabrik Reinhausen“), sondern für das zukunftsorientierte Leistungsversprechen eines umfassenden Lösungsanbieters („Made by Reinhausen“). Dabei bleiben wir der stets unabhängige und verlässliche Partner von Herstellern, Inbetriebnehmern und Betreibern kritischer Netzbetriebsmittel. Gemeinsam regeln wir die All Electric Society.
Zur Person
Drei Jahrzehnte lang hat Dr. Nicolas Maier-Scheubeck (Jahrgang 1961) die Geschicke der REINHAUSEN-Gruppe wesentlich geprägt. Nach Studium und einer Lehrstuhl-Assistenz war er in Industrie und Unternehmensberatung tätig. Seit seinem Eintritt in die Reinhausen GmbH im April 1996 hat er dazu beigetragen, das Unternehmen in anspruchsvollen Nischen der elektrischen Energietechnik als Weltmarkt- und Technologieführer zu positionieren. Ende Juli 2026 scheidet er auf eigenen Wunsch aus der Geschäftsführung aus, wird dem traditionsreichen Familienunternehmen jedoch verbunden bleiben. Ab August 2026 fungiert Wilfried Breuer als Sprecher einer weiterhin dreiköpfigen Geschäftsführung, die dann — neben Holger Michalka — neu auch Dr. Manuel Sojer umfassen wird.


