Im Strom der Zeit

Seit 100 Jahren trägt Rein­hausen zu einer stabilen Strom­ver­sor­gung bei. Eine Reise durch die Geschichte der Elek­tri­fi­zie­rung.


1926 — 1949

Die groß­flä­chi­gege Elek­tri­fi­zie­rung beginnt

2 Milli­arden Menschen leben auf der Erde

15% der Mensch­heit hat Zugang zu Elek­tri­zität

1926 kommt der Strom aus diesen Quellen:

Kohle

78 %

Gas

2 %

Wasser­kraft

15 %

Erneur­bare

5 %

Bis in die 1920er-Jahre werden die wich­tigsten Grund­lagen der Elek­tri­fi­zie­rung geschaffen: Werner von Siemens ermög­licht 1866 mit dem dyna­mo­elek­tri­schen Prinzip die Strom­erzeu­gung. Thomas Edison macht rund ein Jahr­zehnt später die Glüh­lampe alltags­taug­lich. Und mit der Entwick­lung des Trans­for­ma­tors in den 1880er-Jahren setzt sich die Wech­sel­strom­technik für die Strom­über­tra­gung durch. Die Straßen der Groß­städte erstrahlen nun im elek­tri­schen Licht und in immer mehr Fabriken treibt Strom Maschinen und Antriebe an. Doch der Schein trügt: Die breite Bevöl­ke­rung, vor allem auf dem Land, hat noch keinen Zugang zu Strom. Auch einheit­liche Stan­dards fehlen: Die Strom­land­schaft gleicht einem Flicken­tep­pich, Strom­erzeu­gung und ‑verbrauch finden lokal statt. Zudem ist die Versor­gung dort, wo es sie schon gibt, schwan­kend. Trans­for­ma­toren, die unter Last ange­passt werden können, sollen das ändern.

Der erste Schalter

Vor der Erfin­dung des Wider­stands­schnell­schal­ters durch Dr. Bern­hard Jansen müssen Trans­for­ma­toren meist noch vom Netz genommen werden, um das Über­set­zungs­ver­hältnis zu ändern. Rein­hausen produ­ziert 1929 die ersten Proto­typen und bringt in den 1930er-Jahren mit dem Typ C ein erstes Erfolgs­mo­dell auf den Markt. Hier setzt man auf die Kombi­na­tion in einem Gehäuse (Rohr) mit drehendem Kontakt­system. Das ermög­licht eine kompak­tere und wartungs­freund­li­chere Bauweise.

1901
Gründung der Maschi­nen­fa­brik Rein­hausen GmbH
1926
Patent für den Wider­stands­schnell­schalter
1929
Die Zusam­men­ar­beit zwischen Dr. Bern­hard Jansen und MR beginnt
1933
OILTAP® C: 1. Stufen­schalter nach Jansen
1942
Gebrüder Scheu­beck über­nehmen MR

1950 — 1970

Wirt­schafts­wun­der­jahre — Das Strom­netz von heute entsteht

2,5 Milli­arden Menschen leben auf der Erde

40% der Mensch­heit hat Zugang zu Elek­tri­zität

1950 kommt der Strom aus diesen Quellen:

Kohle

72 %

Gas

5 %

Wasser­kraft

20 %

Erneur­bare

3 %

In den zwei Jahr­zehnten nach dem Zweiten Welt­krieg wächst die Welt­wirt­schaft rasant – und mit ihr der Strom­be­darf. Nicht nur die Indus­trie, auch die Privat­haus­halte benö­tigen immer mehr Energie, da elek­tri­sche Geräte wie Wasch­ma­schinen, Kühl­schränke und Fern­seher nach und nach zur Grund­aus­stat­tung gehören. Die Strom­netze entwi­ckeln sich in Europa in dieser Zeit von regio­nalen Versor­gungs­struk­turen zu groß­räu­migen natio­nalen Verbund­netzen. Dort wird auch die inter­na­tio­nale Netz­ko­or­di­na­tion bereits in den 1950er-Jahren voran­ge­trieben. Beide Entwick­lungen machen Phasen­schieber zur Last­fluss­re­ge­lung notwendig, die ohne Stufen­schalter nicht arbeiten können. Mit der Hoch­span­nungs-Gleich­strom-Über­tra­gung (HGÜ) setzt sich nach und nach eine neue Tech­no­logie durch, um Strom verlustarm über weite Stre­cken zu trans­por­tieren. Ohne Stufen­schalter in den Konver­ter­sta­tionen ginge auch das nicht wirt­schaft­lich sinn­voll.

Mehr Schalt­leis­tung

Mit dem rasant wach­senden Strom­be­darf steigt auch der Bedarf an leis­tungs­fä­hi­geren Stufen­schal­tern. Der bereits 1943 entwi­ckelte Typ D von Rein­hausen kann durch die Tren­nung von Last­um­schalter und Wähler höhere Schalt­leis­tungen reali­sieren und wird dem Bedarf somit gerecht. Mit den Typen G und K folgen in den 1960er-Jahren zudem Lösungen für die Höchst­span­nung.

1950
Der älteste noch in Betrieb befind­liche Stufen­schalter wird produ­ziert. Er schaltet bis heute im UNIPER-Ölkraft­werk Ingol­stadt
1953
Das Unter­nehmen zieht in die Falken­stein­straße
1957
Exporte machen 50 % des Umsatzes aus
1958
Jansen verstirbt, Rein­hausen über­nimmt Entwick­lungs­auf­gaben

1971 — 1989

Ausbau und neue Verbrau­cher

3,8 Milli­arden Menschen leben auf der Erde

50% der Mensch­heit hat Zugang zu Elek­tri­zität

1971 kommt der Strom aus diesen Quellen:

Kohle

52 %

Gas

13 %

Wasser­kraft

21 %

Atom­kraft

3 %

Erneur­bare

11 %

In den 1970er- und 1980er-Jahren schreitet der Ausbau der Strom­netze welt­weit weiter voran, aller­dings verschiebt sich der Schwer­punkt gegen­über der Nach­kriegs­zeit: Während zuvor vor allem natio­nale Netze aufge­baut wurden, steht nun zuneh­mend die Vernet­zung großer Versor­gungs­sys­teme im Vorder­grund. Grenz­über­schrei­tend entstehen Hoch- und Höchst­span­nungs­lei­tungen, um Last­spitzen auszu­glei­chen, Reser­ve­ka­pa­zi­täten gemeinsam zu nutzen und die Versor­gungs­si­cher­heit zu erhöhen. Die Ölkrise 1973 markiert zudem einen wich­tigen Wende­punkt in der Ener­gie­ver­sor­gung: Um unab­hän­giger vom Erdöl zu werden, wird der Ausbau der Kern­energie welt­weit beschleu­nigt. Auch eine Phase der tech­no­lo­gi­schen Moder­ni­sie­rung beginnt. Die zuneh­mende Verfüg­bar­keit von Compu­tern auto­ma­ti­siert Netz­leit­stellen und SCADA-Systeme ermög­li­chen erst­mals eine groß­flä­chige Fern­über­wa­chung und ‑steue­rung von Strom­netzen in Echt­zeit.

Eine Legende

Um nahezu jeden Kunden­wunsch zu erfüllen, baut Rein­hausen sein Port­folio weiter aus. Der 1973 entwi­ckelte OILTAP® M, der VW Golf unter den Last­stu­fen­schal­tern, lässt durch sein modu­lares Design mehr Varia­bi­lität hinsicht­lich Last­strom, Span­nungs­an­for­de­rungen und Stufen­zahl zu. Das macht den Schalter für viele Anwen­dungen populär. Eine weitere Inno­va­tion: das Ölgefäß aus glas­fa­ser­ver­stärktem Kunst­stoff (GFK) statt aus Hart­pa­pier. Rein­hausen ist der erste Hersteller, der diesen inno­va­tiven Werk­stoff am Last­stu­fen­schalter einsetzt.

1976
Erstes Trai­nings­center in Regens­burg
1980
Erste auslän­di­sche Nieder­las­sung in Brasi­lien
1989
Über­nahme Stufen­schal­ter­fer­ti­gung von West­ing­house & Siemens

1990 — 2000

Libe­ra­li­sie­rung der Strom­märkte

5,3 Milli­arden Menschen leben auf der Erde

76% der Mensch­heit hat Zugang zu Elek­tri­zität

1990 kommt der Strom aus diesen Quellen:

Kohle

38 %

Gas

15 %

Wasser­kraft

18 %

Atom­kraft

17 %

Erneur­bare

12 %

Der Eiserne Vorhang ist gefallen. Computer bestimmen immer mehr das Arbeits­leben, das World Wide Web geht online und das digi­tale Zeit­alter beginnt, das Mobil­te­lefon setzt sich durch und verän­dert die Kommu­ni­ka­tion nach­haltig – die 1990er-Jahre sind eine Zeit des Aufbruchs. In vielen Ländern, beson­ders in Europa, werden die Strom­märkte libe­ra­li­siert und die Erzeu­gung, Über­tra­gung und die Vertei­lung getrennt. Parallel nimmt die inter­na­tio­nale Vernet­zung zu und damit auch der grenz­über­schrei­tende Strom­handel. Die wach­sende Zahl an Akteuren und Handels­strömen erhöht die Komple­xität des Netz­be­triebs deut­lich und macht eine stär­kere rech­ner­ge­stützte Steue­rung erfor­der­lich. Auch bei der tech­ni­schen Entwick­lung der Erzeu­gung erneu­er­barer Energie gibt es Fort­schritte. Ein Meilen­stein ist der erste Offshore-Wind­park der Welt, der 1991 in Däne­mark in Betrieb geht.

Die Vakuum-Revo­lu­tion

In die Vaku­um­schalt­technik steigt MR schon Ende der 1980er-Jahre mit dem Kauf der Reak­tor­schal­ter­sparte der West­ing­house Elec­tric Corpo­ra­tion ein. Mit dem VACUTAP® VV® gelingt dann im Jahr 2000 der Durch­bruch im Bereich der Wider­stands­schnell­schalter: Der erste dieser Last­stu­fen­schalter mit Vaku­um­technik für ölge­füllte Trans­for­ma­toren ermög­lichte es, den Stufen­schalter nahezu wartungs­frei zu betreiben. Rein­hausen moder­ni­siert so das Grund­prinzip für das nächste Jahr­tau­send.

1990er
Die Globa­li­sie­rung des Unter­neh­mens schreitet voran
1999
Die Messko GmbH wird Teil der REINHAUSEN Group

ab 2001

Die Ener­gie­wende nimmt Fahrt auf

6,2 Milli­arden Menschen leben auf der Erde

78% der Mensch­heit hat Zugang zu Elek­tri­zität

2001 kommt der Strom aus diesen Quellen:

Kohle

39 %

Gas

19 %

Wasser­kraft

17 %

Atom­kraft

17 %

Erneur­bare

8 %

Ab den 2000er-Jahren werden immer mehr Solar- und Wind­parks gebaut und PV-Anlagen auf Dächern instal­liert – der Anteil an erneu­er­baren Ener­gien im Gesamt­ener­giemix steigt stetig. Der Ausbau von HGÜ-Leitungen schreitet voran, um etwa erzeugte Energie von Offshore-Wind­parks oder abge­le­genen Erzeu­gungs­re­gionen zu den Verbrauchs­zen­tren zu bringen. Der starke Ausbau erneu­er­barer Ener­gien, insbe­son­dere von Wind- und Solar­energie, führt zu einer dezen­tra­leren und vola­ti­leren Strom­erzeu­gung. Zuvor unidi­rek­tio­nale Last­flüsse werden nun insbe­son­dere im Verteil­netz­be­reich zuneh­mend bidi­rek­tional. Mit der begin­nenden Elek­tro­mo­bi­lität kommen neue Verbrau­cher hinzu. All dies macht eine Rege­lung der Verteil­netze erfor­der­lich. Zugleich kommt die Infra­struktur vieler­orts in ein kriti­sches Alter, Über­wa­chungs­lö­sungen und der Service für die Betriebs­mittel gewinnen an Bedeu­tung.

Gere­gelte Verteil­netze

Um die Verteil­netze regelbar zu machen, braucht es Stufen­schalter, die klein, kosten­günstig und in großer Stück­zahl herstellbar sind. 2012 bringt Rein­hausen mit dem GRIDCON® iTAP® den ersten Schnell­schalter für Verteil­trans­for­ma­toren auf den Markt. 2016 folgt mit dem ECOTAP® VPD® ein entschei­dender Meilen­stein: Der kleinste Wider­stands­schnell­schalter der Welt ist heute bereits massen­haft im Einsatz und trägt so zum Gelingen der Ener­gie­wende bei.

2001
100.000 Schalter „Made by Rein­hausen“
2002
HIGHVOLT wird Mitglied der REINHAUSEN Group
2002
Der Geschäfts­be­reich Power Quality wird gegründet
2009
Rein­hausen wird 125 Jahre alt

bis 2126

Auf in die Zukunft

8,3 Milli­arden Menschen leben auf der Erde

92% der Mensch­heit hat Zugang zu Elek­tri­zität

2026 kommt der Strom aus diesen Quellen:

Kohle

34 %

Gas

22 %

Wasser­kraft

15 %

Atom­kraft

9 %

Erneur­bare

20 %

10,5 Milli­arden Menschen leben auf der Erde

99% der Mensch­heit hat Zugang zu Elek­tri­zität

2126 kommt der Strom voraus­sicht­lich aus diesen Quellen:

Kohle

3 %

Gas

7 %

Wasser­kraft

12 %

Atom­kraft

23 %

Erneur­bare

55 %

Eine Welt ohne Strom ist längst undenkbar – die Kommu­ni­ka­tion, der Verkehr, unsere Arbeit, unser ganzes Leben ist abhängig von einer verläss­li­chen Strom­ver­sor­gung. In den kommenden Jahr­zehnten stehen die Strom­netze vor einem grund­le­genden Wandel. Schon heute ist klar, dass sich bis 2050 der welt­weite Strom­be­darf verdop­peln wird – getrieben durch die Elek­tri­fi­zie­rung des Mobi­li­täts- und Wärme­sek­tors, unseren Daten­hunger und den Einsatz von künst­li­cher Intel­li­genz. Gleich­zeitig steigt die Komple­xität der Netze durch den weiteren Ausbau der erneu­er­baren Ener­gien. Neue Tech­no­lo­gien werden notwendig, um diese Anfor­de­rungen zu bewäl­tigen. Ob supra­lei­tende Kabel, lokale Gleich­strom­netze, intel­li­gente Steue­rungs­sys­teme oder groß­ska­lige Spei­cher­lö­sungen – die Branche arbeitet mit Hoch­druck an flexi­blen, digi­talen und resi­li­enten Netzen der Zukunft.

Die Tech­no­lo­gien für morgen

Mit der neuesten Schal­ter­tech­no­logie VACUTAP® VI stellt Rein­hausen einmal mehr seine Inno­va­ti­ons­kraft unter Beweis. Doch das Unter­nehmen ist längst mehr als ein Hersteller von Last­stu­fen­schal­tern. Neben umfas­senden Service­leis­tungen, die zuneh­mend auch komplette Umspann­werke einbe­ziehen, bietet Rein­hausen Lösungen für Power Quality, die Auto­ma­ti­sie­rungs­lö­sung ETOS® sowie Systeme für das Asset Perfor­mance Manage­ment. Ergänzt durch fundierte Bera­tung gestaltet das Unter­nehmen als „The Power behind Power“ den Weg in die All Elec­tric Society aktiv mit.

2017
Hans von Mangoldt wird Teil der REINHAUSEN Group
2026
5.500 Mitar­bei­tende arbeiten welt­weit an 57 Stand­orten und in 28 Ländern
2030
Die Werks­er­wei­te­rung in Hasl­bach ist abge­schlossen
2126
Die All Elec­tric Society ist Wirk­lich­keit


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