Starker Schutz vor Licht­bögen

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Es passiert so gut wie nie. Aber wenn doch, kann es böse enden: ein Trafo­brand nach Span­nungs­über­schlag. Ein neuer Passiv­schutz bewahrt Betreiber vor heftigen Schäden.


Scha­dens­fälle in Trans­for­ma­tor­wick­lungen, Durch­füh­rungen und Stufen­schal­tern, bei denen große Ener­gien frei­ge­setzt werden, sind extrem selten. Sollten sie doch einmal vorkommen, bildet sich hoher Druck, verur­sacht durch einen Licht­bogen, der die umge­bende Isolier­flüs­sig­keit verdampfen lässt. Die Auswir­kungen können gravie­rend sein, wenn der Vorgang unkon­trol­liert abläuft. Gene­rell sind Trans­for­mat­or­tanks und Schutz­sys­teme, auch die von Stufen­schal­tern, darauf vorbe­reitet: Im Fehler­fall bauen sie Druck möglichst so kontrol­liert ab, dass die Auswir­kungen auf die Umge­bung mini­miert werden.

Insbe­son­dere für die seltenen Ereig­nisse mit sehr hohen Ener­gien gibt es aber Opti­mie­rungs­po­ten­zial, um das Risiko noch weiter zu redu­zieren. Daher wurden und werden Designs und Schutz­sys­teme immer weiter verbes­sert, etwa durch robuste Trans­for­ma­tor­kessel. Im Falle eines Stör­licht­bo­gens im Trans­for­ma­tor­kessel baut sich die frei werdende Energie ab, indem sie den Kessel verformt. Das ist nach­weis­lich die wirk­samste Maßnahme gegen Feuer nach einem hoch­en­er­ge­ti­schen Stör­licht­bogen.

Das renom­mierte Chinese Elec­tric Power Rese­arch Insti­tute (CEPRI) hat den BPS-Passiv­schutz harten Echt­tests unter­zogen, indem es hoch­en­er­ge­ti­sche Licht­bo­gen­über­schläge in Test-Trans­for­ma­toren provo­ziert hat.

Anwender wie Netz­be­treiber können ihre Trans­for­ma­toren mit verstärkten BPS-Abde­ckungen jeder­zeit nach­rüsten.

Als Ergän­zung für robuste Trans­for­mat­or­tanks hat MR das BPS – Burst Preven­tion System entwi­ckelt. Das Gesamt­ergebnis ist ein Trans­for­mator, der die Auswir­kungen solcher Scha­dens­er­eig­nisse möglichst klein hält. Sowohl für Betreiber von Ener­gie­infra­struktur als auch für Indus­trie­be­triebe und dort, wo die Platz­ver­hält­nisse beengt sind, kann dies von großer Bedeu­tung sein.

Der Deckel kriegt Verstär­kung

Die Inge­nieure von MR haben sämt­liche rele­vanten ­Teile am Last­stu­fen­schalter unter die Lupe genommen und verstärkt: vom Stufen­schal­ter­de­ckel über die Getrie­be­stufe, Verschrau­bungen, Strö­mungs­re­lais und Schau­glas bis hin zum Druck­ent­las­tungs­ventil für einen gerich­teten Ölab­fluss. Compu­ter­si­mu­la­tionen zeigen, dass mit dem BPS Störungen bis 10 Mega­joule in 80 Milli­se­kunden und 50 Bar Druck beherrscht werden (wie das genau funk­tio­niert, sehen Sie in der Illus­tra­tion unten).

Fünf Szena­rien, wann sich BPS beson­ders lohnt:

Wert­volle
Kompo­nenten
im Umfeld

Wert­volle
Kompo­nenten
im Umfeld

Eine Explo­sion kann Kompo­nenten in der Nähe beschä­digen und in Brand setzen. Beson­ders bei wert­voller Infra­struktur in der Umge­bung, wie zum Beispiel in Umspann­werken für Hoch­span­nungs­gleich­strom­über­tra­gung (HGÜ), empfiehlt sich ein zusätz­li­cher Passiv­schutz.

Sensible
Ökosys­teme


Sensible
Ökosys­teme

Nahe an Gewäs­sern oder in Natur­schutz­ge­bieten verhin­dert ein BPS massive Umwelt­ver­schmut­zung sowie hohe Besei­ti­gungs­kosten bei Ölaus­tritt.

Offshore
Wind­parks


Offshore
Wind­parks

Infra­struktur, die schwer zu errei­chen ist, wie etwa Offshore-Anlagen, profi­tieren vom gerin­geren Risiko. Denn dort ließen sich Brände im Notfall nur schwer und spät bekämpfen.

Trans­for­ma­toren
in Gebäuden


Trans­for­ma­toren
in Gebäuden

In Stahl­werken oder bei bestimmten Fabriken befinden sich Trans­for­ma­toren im Inneren von Gebäuden. Eine Explo­sion wäre hier eine große Gefahr für die Mitar­beiter und könnte das Fabrik­ge­bäude beschä­digen.

Urbane
Umge­bung


Urbane
Umge­bung

Je mehr Menschen in der Nähe eines Trans­for­ma­tors wohnen, desto höher die Gefahr, dass sich im Kata­stro­phen­fall jemand verletzt oder eine Rauch­ver­gif­tung erleidet. Ein BPS hilft dabei, dies zu verhin­dern.

Das BPS wurde nicht nur mittels zahl­rei­cher Simu­la­tionen vali­diert, sondern auch in einem Test mit echtem Licht­bogen in Koope­ra­tion mit dem Chinese Elec­tric Power Rese­arch Insti­tute (CEPRI): Die Inge­nieure setzten einen mit dem BPS ausge­rüs­teten Test­trans­for­mator der Belas­tung eines 5,6‑Megajoule-Lichtbogens inner­halb von 50 Milli­se­kunden aus. Das BPS hielt dem darauf­fol­genden, rasch anstei­genden Druck von rund 40 Bar stand. Dieses Ergebnis über­zeugte einen chine­si­schen Netz­be­treiber davon, die ersten Trans­for­ma­toren im Feld in einer Retrofit-Aktion nach­zu­rüsten. 

Das passiert, wenn’s passiert:

Licht­bogen

Licht­bögen entstehen, wenn Isola­ti­ons­stre­cken über­lastet sind. Die meisten Licht­bo­gen­über­schläge verlaufen glimpf­lich. Doch es gibt auch heftige, mit Ener­gien von mehreren Mega­joule. Dieses Beispiel geht von einem solchen hoch­en­er­ge­ti­schen Licht­bogen aus.

2.

Druck­ent­wick­lung

Durch die kurze, immense Hitze verdampft das umge­bende Isolieröl und dehnt sich durch das entste­hende Gas aus. Oben am Deckel des Last­stu­fen­schal­ters öffnet sich auto­ma­tisch eine Druck­ent­las­tungs­ein­rich­tung und lässt Öl und Druck ab. In unserem Beispiel reicht das jedoch nicht aus und der Druck wird so groß, dass er die Wände des Last­stu­fen­schal­ter­ge­häuses dehnt.

verstärkte Abde­ckung

normale Abde­ckung

Entlas­tung

Eine verstärkte BPS-Abde­ckung hält stand, der Druck bricht statt­dessen den Gehäu­se­boden auf und entweicht in das Innere des Trafos. Die Flexi­bi­lität des Kessels ist so groß, dass er alle Energie aufnimmt, ohne dass Öl unkon­trol­liert austritt. Falls nötig, lässt die Druckent-lastungs­ein­rich­tung des Trafos gezielt Öl in eine Wanne ab. Auf diese Weise bleibt die Umge­bung unbe­ein­träch­tigt.

Explo­sion

Steigt der Druck zu stark oder zu plötz­lich, birst die Abde­ckung. Ein Schwall Öl und Dampf folgt und kann sich entzünden. Weiteres Öl tritt aus und verschmutzt die Umge­bung.


IHR ANSPRECHPARTNER

Haben Sie Fragen zum BPS — Burst Preven­tion System?
Martin Guth ist für Sie da:
M.Guth@reinhausen.com


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