Für den Offshore-Windpark Hornsea 3 vor der Küste Englands baut SeAH Wind eine der größten Monopile-Fabriken ihrer Art. Damit die Produktion der hohen Auslastung gerecht wird, sorgt Enspec Power mit Unterstützung von Reinhausen für die optimale Stromqualität.
In der Nordsee, gut 120 Kilometer vor der britischen Küste, entsteht bis 2027 mit Hornsea 3 einer der größten Offshore-Windparks der Welt. Errichtet vom dänischen Energiekonzern Ørsted, soll er nach seiner Fertigstellung mit einer Kapazität von 2,85 Gigawatt über drei Millionen Haushalte Großbritanniens mit Strom versorgen. Mehrere Hundert Windräder stellt Ørsted dafür auf einer Fläche von knapp 700 Quadratkilometern auf hoher See auf. Damit sie Wellengang und Stürmen standhalten, werden sie mit massiven Stahlpfählen, sogenannten Monopiles, im Meeresboden verankert.
Auf den Bau dieser Fundamente hat sich das Unternehmen SeAH Wind spezialisiert. Extra für das Hornsea-3-Projekt hat der Hersteller in Teeside im Nordosten Englands die bislang größte Monopile-Fabrik der Welt errichtet. Damit ist der Standort einer der wichtigsten von mehreren Lieferanten für Hornsea 3. Um die Dimensionen deutlich zu machen: Die Monopiles sind zum Teil über 100 Meter lang und wiegen mehr als 2.000 Tonnen. Die Produktion ist so ausgelegt, dass SeAH Wind pro Jahr bis zu 200 dieser Giganten fertigen kann.
3
Millionen
Haushalte
versorgt der Windpark
mit Strom.

Die Monopile-Fabrik von SeaH Wind befindet sich auf dem Gelände eines ehemaligen Stahlwerks in Middlesbrough und ist einer von mehreren Lieferanten für Hornsea 3.
2,8
Gigawatt
Kapazität
soll Hornsea 3 nach
Fertigstellung haben.
Ziel: stabiles Werksnetz
Bereits in der frühen Planungsphase der Fabrik beauftragte SES Engineering, Generalunternehmer für die technische Gebäudeausrüstung und Teil der Wates Gruppe, die Firma Enspec Power, ein stabiles Werksnetz zu realisieren. Denn damit die Fabrik die Netzanschlussbedingungen erfüllt und die Maschinen keinen Schaden nehmen, ist die Spannungsqualität entscheidend für den zuverlässigen Betrieb.
Für Tony Jefferson, der bei Enspec Power das Projekt verantwortete, keine einfache Aufgabe: „Als wir 2024 den Auftrag bekamen, existierte die Fabrik nur als Bauplan. Deshalb stützte sich unsere Arbeit mehr auf prädiktive Systemmodelle als auf physische Messungen.“ Um eine grobe Vorstellung von den zu erwartenden Herausforderungen bei der Spannungsqualität zu bekommen, erstellte Enspec Power gemeinsam mit SES Engineering daher zunächst ein virtuelles Modell der Fabrik.
„Meiner Erfahrung nach stellt MR die weltweit besten Filter für die Industrie her.“
Tony Jefferson, Director of New Markets and Enterprise Development bei Enspec Power Ltd

Am Model getestet
„Wir konnten abschätzen, dass ein Teil der Anlagen erheblichen Blindleistungsbedarf verursachen würde. Also elektrische Energie, die nicht in nutzbare Arbeit umgesetzt wird und das System belastet“, berichtet Jefferson. Doch das ist nicht das einzige Problem: „Aus Erfahrung wissen wir, dass es immer zu Oberschwingungen kommt. Das ist ein sehr dynamischer Prozess, der einfach viel Strom benötigt“, sagt Jefferson.
Und der Prozess geht so: Zunächst schneidet eine Schneidanlage massive Stahlplatten in große Rechtecke. Anschließend biegen Walzen die Stahlstreifen in eine runde Form, die Schweißmaschinen an den Enden zusammenschweißen. Hier wird es kritisch: „Den größten Anteil der Oberschwingungen verursachen die Schweißmaschinen. Aber auch andere Maschinen, wie etwa die Walzen, erzeugen Oberschwingungen. Das liegt an ihren Frequenzumrichtern“, sagt Jefferson.
Die sorgen dafür, dass SeAH Wind die Geschwindigkeit der Motoren der hochautomatisierten Anlagen flexibel an die Produktionsansprüche anpassen kann. Das macht die Nutzung der Maschinen zwar effizient, sorgt aber für Oberschwingungen. Werden die nicht herausgefiltert, können sie vor- und nachgelagerte Anlagen stören. Im schlimmsten Fall sogar beschädigen.
Doppelt hält besser
„Da sich das Auslastungsprofil im Laufe der Zeit verändern würde, musste die Lösung skalierbar und flexibel genug sein, um sich an die Produktionsanforderungen anzupassen“, sagt Jefferson. Er musste nicht lange überlegen, wo er sich Unterstützung holen kann. Denn seit etwa sieben Jahren arbeitet Enspec Power mit Reinhausen zusammen. Also zückt er schnell das Telefon, um sich mit Kim Urbanke und Henning Tischer vom Geschäftsbereich Power Quality Converters zu beraten.

Die Idee ist schnell geboren: modulare Schaltschränke mit Leistungselektronik von Reinhausen. Insgesamt 29 Aktivfilter basierend auf Reinhausen-Technik gleichen in Echtzeit Oberschwingungen aus. Hinzu kommen 26 Anlagen zur Blindleistungskompensation. Damit bleibt die Stromqualität auch bei hoher Last gegeben. Jefferson sagt: „Meiner Erfahrung nach stellt MR die weltweit besten Filter für die Industrie her. Sie reagieren dynamisch auf wechselnde Lasten und lassen sich präzise regeln.“
Schlüsselfertige Lösung
Durch das modulare Prinzip kann Enspec Power die am jeweiligen Anschlusspunkt benötigte Leistung realisieren – und die Anlage bei Bedarf einfach und sicher erweitern. Die Lösung hat Enspec Power nicht nur geplant, sondern auch am Produktionsstandort in Washington gefertigt und anschließend gemeinsam mit SES Engineering in der XXL-Fabrik installiert. Für die Region bildet die Fabrik das Sprungbrett zum industriellen Zentrum für Windkraft. Jefferson ist stolz auf das Projekt: „Diese Fabrik ist ein Beispiel dafür, wie die Energiewende industrielle Regionen transformiert und wirtschaftliches Wachstum katalysiert.”

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